Beluga zu Tour 3
Hinter Schleuse 40 zweigt der Ardennenkanal ab und verbindet die Maas mit der Ainse und der Marne.
Der Drücker für die Schleusen funktioniert auch hier. Nach zwei Schleusen erreicht man eine Wassertankstelle.
die Festung in Sedan
Ein Bunker! Ein vergessenes Relikt aus einer furchtbaren, unrühmlich Zeit. Man möchte nicht glauben, dass in dieser ruhigen Gegend die schrecklichsten Kämpfe gewütet haben.
In Sedan sollte man sich die Zeit für eine Busfahrt in die Vergangenheit nehmen. Es ist erschreckend und beschämend, diese vielen Toten, so sinnlos. Was kann Krieg schon ändern?
Am gepflegten Campingplatz der Stadt ist auch der Bootsanleger.
Die Sedaner behaupten ihre Festung wäre die größte Europas. Sehenswert ist sie allemal.




Weil endlich mal die Sonne für uns lacht, verlegen wir oberhalb Schleuse 37 an einen frisch gemähten Platz mit Pollern, der in den Karten noch nicht verzeichnet ist. Stühle, Tisch und Grill ins Gras und es gibt ein zünftiges Barbecue.
Die Franzosen sehen Anlanden am Ufer sehr locker. Es ist überall erlaubt, wo es nicht ausdrücklich verboten ist und das ist es eigentlich nie. Selbst mit grillen und Lagerfeuer haben sie kein Problem. Man fällt als Wasserwanderer wieder in die Zeit der Trapperromantik der Kindheit zurück.

Die träge dahinplätschernde Maas durchfließt jetzt ein weites Wiesental. Viehweiden, Herden mit Charolais-Rindern und bunten Kühen, Weizenäcker, trutzige Wehrhöfe, pittoreske kleine Orte mit befestigten Kirchen. Auf grünen Hängen stehen wie hingetupft wirkende dicht belaubte Bäume, im Hintergrund waldbehütete Hügel. Die Idylle eines real existierenden Bilderbuchs.
Es hat etwas Magisches, wenn das bleiche Licht der Morgendämmerung über den Wald heraufzieht, sich der Nebel über den Wiesen erhebt und die ersten Sonnenstrahlen ins Tal fingern.

Die Maas teilt Mouzon. Es war ursprünglich ein gallischer Markt, später ein römischer Posten. Heute hat es einen prima Anleger um das Filzmuseum zu besuchen. Hier befindet sich auch ein Werk, das als letztes in Frankreich Filz herstellt.
Und wer an Stenay vorbeifährt ist selber schuld. Es hat eine ellenlange Steganlage im Seitenarm und Wohnmobilstellplätze. Sehr interessant ist das Biermuseum im alten Vorratskeller der Zitadelle. Mit der Gebühr im Hafen von 7 € erhält man einen Gutschein und spart im Museum dann 5 €. Anschließend kann man in der Brasserie einige Biere probieren. Ich kann jedem versichern, es wird ein lustiger Nachmittag.
Mouzon
die Buchhaltung der alten Brauerei
Biermuseum Stenay
Wir klettern von Schleuse zu Schleuse weiter auf das Lothringer Plateau. Verschlafene kleine Ortschaften säumen unseren Weg. Es ist rührend, was diese kleinen Orte für Anstrengungen unternehmen um Besucher ins Dorf zu locken, von Gutschein oder Rabatt in den Geschäften bis zu Waschmaschinen am Anleger.


Hinter Dun-sur-Meuse bei Ecluse 27 beginnen die manuellen Schleusen. Jede Schleuse ist in der Hauptsaison vom 1.6. bis 31.8. mit einem Schleusenmeister/in besetzt. Außerhalb dieser Zeiten muss man die Durchfahrt telefonisch anmelden. Mithilfe beim Drehen der Tore ist sehr willkommen.
Die Maas verlässt uns nun immer öfter, gibt eigentlich nur noch kurze Gastspiele. Vom Seitenkanal, der teilweise etwas höher liegt, hat man einen wunderbaren Blick auf den Fluss, der hier breit und in vielen verzweigten Windungen neben uns herdümpelt.

Vor Schleuse 24 Consenvoye hatte ich etwas Bammel. Sie hat seit jeher schräge Wände. Früher war das ein echtes Problem für Sportboote. Man wurde hinten steuer- und backbord mit je einem Tau neben dem Schleusentor angehängt und musste versuchen trotz der sprudelnden Wassermassen das Boot mit dem Motor in der Mitte halten.
Heute hat der VNF einen Schwimmsteg montiert und das ist eine bequeme Sache.
der Hafen von Verdun
Die Maas lässt es sich nicht nehmen Verdun in zwei Teile zu stückeln, in die Oberstadt mit Zitadelle und Kathedrale und die Unterstadt zum Einkaufen. Zwischen zwei Brücken mitten in der Stadt wurde am linken Ufer eine Steganlage gebaut und am rechten Ufer ist eine Kaimauer. Gemeinsam sind sie der Port de Plaisance de Verdun.
Da es hier Strom und Wasser gibt, aber dennoch nichts kostet, ist natürlich jedes Plätzchen belagert. Wir ergattern noch einen Platz in der zweiten Reihe.
Verodunum nannten die Römer ihr Kastell, das sie auf einem gallischen Oppidum errichteten. Diese strategisch wichtige Lage über dem Maastal an der Römerstraße nach Metz ließ die Stadt auch in den folgenden Jahrhunderten zum Ziel der Begierde mächtiger Männer werden.
Insgesamt 11 Belagerungen mussten die Verduner ertragen und die 12. derzeit in ihrem Hafen. 60 % der touristischen Invasoren sind Holländer, 30 % Engländer und der Rest Deutsche und Skandinavier.
Unter keinen Umständen darf man in Verdun die Reise in die Vergangenheit
der unterirdischen Zitadelle versäumen.
Frieden, Freiheit, Menschenrechte. Dieser Dreiklang prädestiniert Verdun zu einer mächtigen Botschaft und dem Sitz des Weltfriedenszentrums.
Verdun
Liberté Égalité, Fraternité.
Wir fahren ab Verdun fast ausschließlich im Kanal. Er ist jedoch so üppig in die Landschaft eingewachsen, dass man nie auf den Gedanken käme, in einer künstlichen Wasserstraße zu fahren.
Kilometerlang schlängelt er sich durch Weizen- und Maisfelder.
Langsames Reisen hat den Vorteil, dass die Seele Schritt halten kann.
Das möchte ich jedem Bootsfahrer mit auf die Fahrt geben. Lasst die Seele baumeln, lasst die Ruhe der Natur auf euch wirken, lasst Hektik und Unrast zu Hause.
Die Menschen stressen sich niemals mehr, als bei der Suche nach Erholung.
Wenn man die Gelassenheit findet dem Spiel einer Libelle oder dem Zwitschern der Vögel zu lauschen, dann findet man die omnipotente Keimzelle des Glücks in sich selbst.

Hinter Schleuse 13 ist ein wunderbarer Picknick-Platz mitten in der Natur. Der passende Rahmen für unser erstes Cote de Boef in diesem Jahr.
Lasset heut am edlen Ort
Ernst und Lust sich mischen.
Geist an Herzen, Ton am Wort
Feierlichst erfrischen.
Froh genießet eurer Lage,
Denn man setzt nicht alle Tage
Sich zu solchen Tischen. Goethe
die Leierkasten-Crew aus Berlin – Bernd, Annette, Leonie, genannt Bernhardi, Netti und Leni, verabschieden sich
Wie ein Hochzeitsbaldachin hängt der sternenfunkelnde Himmel über unserem Lagerfeuer als die ersten Raketen dem Freiheitskampf der Nation gedenken.
14.Juli. Sturm auf die Destille. (natürlich Bastille)
Immer noch schlängelt sich der Kanal durch eine besinnliche Landschaft, kleine Dörfer mit flachen mit Klosterpfannen gedeckten Dächern, die schon bei den Römern in Gebrauch waren. Im Mittelpunkt die Kirche, deren imposanter Bau in keinem Verhältnis zu der Kleinheit des jeweiligen Dorfes steh, aber von einer längst vergangenen goldenen Ära künden.

Selbst ist der Mann
Ole Pinelle auf dem Weg in die grenzenlose Freiheit
Pontons mit Wasser und Strom laden zum Verweilen ein. Da es nichts kostet sind sie natürlich immer belagert. Zwischen Schleuse 7 und 8 ist ein langer Picknick-Platz im Grünen und vor Commercy ist am rechten Ufer ein ehemaliger Verladekai direkt an einem Aldi.
Bequemer kann man seine Bordvorräte nicht mehr auffüllen. Elsässer Bier, das Döschen pfandfreie 23 Cent und sonstige Getränke in Plastikflaschen --> Einweg Richtung Poubell (Mülleimer).
Der in den Karten verzeichnete "Bootshafen" von Commercy hat nur einen Meter Wassertiefe, ist total verkrautet und ist eigentlich eher ein Dreckloch.
diese Dinger wurden zu einem Dreieck zusammengebunden und hinter den Treidelpferde hergezogen, damit sie den Boden wieder egalisierten.
mit diesen Spitzen auf langen Stangen wurden die Treidelpenischen früher vom Ufer abgestoßen
Waschhaus in St. Mihiel
Anleger in St. Mihiel
ein Angelplatz für Rollstuhlfahrer
5 Schleusen bringen uns auf das Niveau des Rhein-Marne-Kanals.
Hier kann man sich entscheiden, entweder Richtung Marne-Seine-Paris, oder abwärts schleusen nach Toul in den Hafen von Frankreich.
wohin?
Die BELUGA fährt hier weiter bis zur MOSEL, der SAAR nach Straßbourg
weitere Informationen: 43 Frankreich | 42.5 Tourplan für 2012 ab Roermond | weitere Informationen: Tourbeschreibung zu 1 | Tourbeschreibung zu 2 | Tourbeschreibung zu 3 | Tourbeschreibung zu 4 | Tourbeschreibung zu 5 | Tourbeschreibung zu 6 bis 8 | 42 Tourplan 2010 u 2011 | 40 Vorbereitung in Emden >>> |


